Empfangendes Sehen

Empfangendes Sehen

Sehtraining kann uns helfen, unsere Augengesundheit zu erhalten und besser sehen zu können – so viel ist klar. Wir waren vielleicht frustriert von sich stetig verschlechternden Werten oder angestrengten Augen durch viel PC-Arbeit und sind so auf Sehtraining gestoßen. Begeistert konnten wir erste Erfolge verzeichnen – unser Sehen fühlt sich entspannter an, vielleicht konnten wir sogar Verbesserungen in unserer Dioptrienzahl erzielen und brauchen in vielen Situationen des Alltags inzwischen keine Brille mehr.

Doch gleichzeitig – und das ist fast ein bisschen wie Magie – kann Sehtraining viel weitere Kreise ziehen und festgefahrene Bereiche unseres Lebens in Bewegung bringen. Wir lernen ja im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Art zu sehen – nämlich eine entspanntere.

Empfangendes Sehen im Gegensatz zu angestrengtem „greifendem“ Sehen ist zum Beispiel ein wichtiger Aspekt dieser neuen Sehqualität. Hierbei lassen wir den visuellen Input „zu uns kommen“, statt unbewusst zu glauben, wir müssten greifend nach Außen schauen. Dies ist ein wichtiger mentaler Unterschied. Wir können klares Sehen nicht erzwingen, es ist etwas, was ganz natürlich geschieht, wenn wir unseren Augen erlauben, Licht zu empfangen und von unserem Gehirn in ein Bild umgewandelt zu werden. Verschwommenheit entsteht, indem Stress diesen natürlichen Fluss des Sehens behindert.

Wenn wir die Fähigkeit des Empfangens auf unser Leben übertragen, wird klar, dass es auch unsere Art, wie wir mit der Welt in Kontakt sind, verändern kann. Wir dürfen uns entspannen, dem Fluss des Lebens vertrauen und die Dinge zu uns kommen lassen, statt ihnen hinterherzujagen und immer wieder von den nagendem Gefühl befallen zu sein, nicht genug zu leisten. Sehtraining kann uns somit sinnbildlich einen Ausweg aus der Burn-out-Spirale des „Leisten-müssens“ zeigen.

Mit eigenen Augen dürfen wir wahrnehmen, dass Anstrengung im Grunde das Gegenteil bewirkt und uns letztendlich weiter von unseren Zielen entfernt.