Sehen durch Entspannung

Wenn das Thema „Sehkraftverbesserung“ aufkommt, denken viele, die davon schon gehört haben, sofort an Augenübungen und Stärkung der Augenmuskeln. Aus irgendeinem Grund, hält sich in unserer Gesellschaft der Mythos, wir müssten hart arbeiten und trainieren, um etwas zu erreichen.

An dieser Stelle möchte ich nicht darüber diskutieren, ob diese Überzeugung generell wirklich hilfreich ist. In Bezug auf die Verbesserung der Sehkraft ist sie es definitiv nicht. Viele Augenprobleme, wie beispielsweise Kurzsichtigkeit, haben ihre Ursache in angespannten Augenmuskeln, flachen Atemmustern, mentalem und emotionalem Stress – das können wir nicht so einfach „Wegtrainieren“.

Gesundes, klares und lebendiges Sehen geschieht in einem Zustand der Entspannung und dem Loslassen von stressigen Sehgewohnheiten. Diese Erkenntnis stammt von Dr. William Bates (1860-1931) einem New Yorker Augenarzt, der es sich zur Lebensaufgabe machte, Menschen zu natürlichem, besseren Sehen zu verhelfen. Mich fasziniert seine Methode und das Empowerment, selbst etwas für die eigene Sehkraft tun zu können.

Wenn du Schwierigkeiten mit dem Sehen hast, lade ich dich ein, nach dem Lesen dieses Beitrags einfach mal die Augen zu schließen und in dich hineinzuspüren. Wie fühlen sich deine Augen an? Kannst du die Muskeln wahrnehmen, die deine Augen umgeben? Nimmst du Spannung in diesen Muskeln wahr? Wie geht es deinen Augen?

Und dann- wenn du magst- spanne die Augen und dein Gesicht einmal ganz fest an, halte die Anspannung für ein paar Sekunden und lasse sie dann mit einem erlösenden Seufzen und tiefes Ausatmen los. Wiederhole dies, so oft es sich gut anfühlt und schenke dir anschließend ein paar tiefe und nährende Atemzüge, die du bewusst zu deinen Augen schickst. Öffne nun sanft die Augen, blinzle und schau dich ein paar Momente ganz neugierig um. Wie nimmst du deine Umgebung jetzt wahr?

So einfach können erste Schritte zu einem entspannteren und lebendigeren Sehen sein….

Grenzen setzen

Seien es Begeisterung, Freude, Verspieltheit, herzhaftes Lachen, sprudelnde Lebensfreude, Leichtigkeit oder ekstatische Glücksgefühle – all diese Zustände erleben wir in Momenten, in denen wir uns sicher fühlen.

Dieses „sich sicher fühlen“  ist physisch betrachtet ein Modus, der sich  in unserem Nervensystem freischaltet. Das Gegenteil davon ist der sogenannte „Flucht-oder Kampf“-Modus. Ein Zustand, in dem wir unter Strom stehen, uns ängstlich oder angespannt fühlen. Leider ist  dieser „Flucht-oder Kampfmodus“  für uns Menschen in einer Leistungs- und Burnout- Gesellschaft oft Normalität geworden.

Was nun? Ich glaube, der Weg, um Sicherheit zurück in unser Nervensystem rieseln zu lassen, führt uns raus aus dem Kopf und tief in unsere Körper zurück. Und er kommt nicht umhin, dass wir unsere Grenzen wahrnehmen und sie zu verteidigen üben. Das mag sich für manch eine hart anhören, doch ist „Grenzen Setzen“ ein unverzichtbares Training für unser Nervensystem, damit wir uns sicher fühlen. Sicher mit uns selbst und sicher in der Welt.

Was bedeutet Grenzen setzen? Zum einen natürlich ganz banal, „Nein“ sagen zu KÖNNEN, wenn wir nein sagen MÖCHTEN.  Das ist schon mal gar nicht so einfach, besonders für „brave Mädchen“, auch wenn sie inzwischen zu erwachsenen Frauen geworden sind. Weiter gefasst bedeutet es auch: Wir können für uns und unsere Meinung eintreten und lassen uns nicht von der Außenwelt belabern, verwirren oder stressen. Wir können „bei uns bleiben“ und innerlich von kollektiven oder individuellen Erwartungen und Konditionierungen abgrenzen.

Gesunde Grenzen sind letztendlich das instinktive Bedürfnis, das wir wie alle Säugetiere nach einem schützenden Raum – einem „Revier“ – um uns herum haben, das uns Sicherheit und innere Ruhe verleiht.

Und weil Grenzen so instinktiv und fundamental in unserem ganzen System angesiedelt sind,  brauchen wir unsere Körper, um unsere Grenzen zu spüren und zu reparieren. Weiche, geschützte, bestärkenden Lern- und Erfahrungsräume in einer Gruppe,  in denen Mitteilung, Bewegung und Verwandlung stattfinden kann.